Kapitel 1
Blaine hatte die staatliche Auswahlprüfung bestanden und war dieses Jahr der Drittplatzierte.
Dennis und Sharon weinten Freudentränen, sie feierten mit Dankgebeten und freudigen Ritualen. Sie zogen mich beiseite und versprachen, dass sie, sobald sie Sester erreichten, sicherstellen würden, dass Blaine mich heiratet.
In den letzten drei Jahren hatte ich Tag und Nacht gearbeitet und Stickereien verkauft, um eine beträchtliche Geldsumme zu sparen, was ihm die Reise nach Sester und die Teilnahme an der staatlichen Auswahlprüfung ermöglichte. Während des Jahres, in dem er weg war, kümmerte ich mich unermüdlich um seine Eltern. Ohne mich wäre Dennis vor sechs Monaten an seiner Krankheit gestorben.
Ohne mich hätten sie diesen Moment der Ehre nicht erlebt. Blaine hatte den dritten Platz erreicht und er musste sein Versprechen halten, mich zu heiraten.
Doch gestern erzählte mir Evan, dass Blaine bereits vor einem halben Monat als Schwiegersohn der Gouverneursfamilie aufgenommen wurde und mit Joshuas Tochter verlobt ist. Diese Nachricht hatte sich bereits in ganz Sester verbreitet.
Evan, der ebenfalls die staatliche Auswahlprüfung in der Hauptstadt abgelegt hatte, war Zweiter geworden, während Blaine Dritter wurde. Nachdem die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, kehrte Evan nach Hause zurück. Aber Blaine kam nicht zurück. Stattdessen schickte er einen Brief, in dem er Dennis und Sharon in die Hauptstadt rief, ohne mich überhaupt zu erwähnen.
Evan würde mich niemals belügen.
Ich schob sanft Dennis' und Sharons Hände weg und sagte ruhig: „Ihr solltet euch vorbereiten. Blaine wird heiraten.“
Dennis und Sharon hielten meine Hände fest, ihre Gesichter voller Sorge und Zuneigung. „Natürlich, wir haben von diesem Tag geträumt. Wir reisen morgen nach Sester, damit Blaine dich heiraten kann.“
Ich schaute mich in dem bescheidenen, alten Haus um, meine Augen blieben an meinem kleinen Zimmer hängen. Das rote Hochzeitskleid, das ich mühsam bestickt hatte, hing noch immer am Kleiderständer. Damals war ich wirklich glücklich, voller Vorfreude darauf, Blaine zu heiraten, unabhängig von seinem Erfolg in den Prüfungen.
„Blaine heiratet nicht mich. Er heiratet die Tochter des Gouverneurs.“
Dennis und Sharon waren fassungslos. Nach einer langen Pause traten sie vor, starrten mich schockiert und ungläubig an. „Das ist unmöglich. Das darf nicht sein. Wie könnte dieser undankbare Sohn jemand anderen anstelle von dir heiraten? Da muss ein Missverständnis vorliegen.“
Dennis war so wütend, dass er die Fäuste ballte. „Du wirst morgen mit uns nach Sester kommen. Die Familie White wird eine Erklärung für dich verlangen.“
Ich nickte. Während ich das makellose Haus betrachtete, das Ergebnis meiner jahrelangen stillen Hingabe und harten Arbeit, wusste ich, dass ich eine Erklärung verdiente.