Mit einem gütigen Ausdruck im Gesicht legte die Hebamme die beiden warmen, kleinen Babys auf Chloes Brust. Das Gewicht war überraschend fest. Ein winziger, pochender Herzschlag schlug gegen ihren eigenen erschöpften. Eine Welle der Liebe, so heftig, dass sie sich wie ein körperlicher Schlag anfühlte, brach über sie herein und raubte ihr den letzten Atem.
Die Stimme der Hebamme war ein beruhigender Balsam. „Sie haben ein Paar entzückende Zwillinge zur Welt gebracht, einen Jungen und ein Mädchen. Beide sind kerngesund.“
Sie lächelte schwach und versuchte, die beiden Babys zu betrachten, die von den Hebammen umringt waren.
Vor dem Kreißsaal hielt eine Krankenschwester ein Baby und rief: „Wo ist Chloe Hayes's Familie? Wo sind Chloe Hayes's Eltern?“
Sie rief immer wieder, doch niemand antwortete.
Auf dem Krankenhausbett wurde Chloes Gesicht bei dem Klang noch blasser.
War Julian wirklich nicht gekommen?
Obwohl sie geschieden waren, war er immer noch der biologische Vater der Kinder. Bevor sie in den Kreißsaal ging, hatte sie ihn angerufen.
Sie lag völlig erschöpft und schwach im Krankenhausbett.
Der Arzt und die Krankenschwester brachten sie schnell auf die Station.
Doch sie wurde nicht in die private VIP-Station gebracht, die Julian ihr versprochen hatte, sondern in ein gewöhnliches Mehrbettzimmer.
Viele Menschen waren auf der Station. Neben ihr lagen drei weitere schwangere Frauen in den anderen Betten. Jede von ihnen wurde von mehreren Familienmitgliedern betreut.
Einige kümmerten sich um ihre Frauen, andere beugten sich über die Babybetten, um ihre Kinder zu beobachten. Es gab auch frischgebackene Väter, die ihre Babys hielten und trösteten. Jeder hatte ein glückliches Lächeln im Gesicht.
Dieser Betrüger. Es war ihr egal, wo sie wohnte. Aber hatte er überhaupt an die Kinder gedacht? Ein Gefühl eisiger Demütigung durchfuhr ihren gesamten Körper.
Chloe hatte plötzlich entbunden, und jetzt war niemand da, der sich um sie kümmerte. Sie konnte sich nicht allein um das Baby kümmern, und die Krankenschwestern konnten nicht ständig helfen. Also beschloss sie, Julian um Hilfe zu bitten.
Eine Krankenschwester reichte Chloe ihr Telefon. Ihre zitternden Finger tasteten über den Bildschirm, bis sie Julian Sterlings Namen in den Kontakten fand. Das scharf aussehende Geschäftsfoto, das er als Profilbild verwendete, schien sie vom Bildschirm aus zu verspotten.
Sie atmete tief und zitternd ein und drückte die Anruftaste.
Der Klang, der antwortete, war nicht seine Stimme. Es war das Chaos einer Party: laute Musik, das Klirren von Gläsern, ein Aufbrausen von Lachen.
Dann seine Stimme, scharf und ungeduldig. „Chloe? Was gibt es? Ich bin beschäftigt.“
Die Kälte in seinem Ton war ein vertrauter Schmerz. Sie kniff die Augen zusammen und zwang die Worte heraus. „Julian, die Babys… sind geboren.“
Einen Mamaent lang Stille am anderen Ende. Gerade lang genug, damit ein Funken Hoffnung in ihrer Brust aufleuchten konnte.
Dann wurde er ausgelöscht. „Okay. Schick die Details an meine Assistentin.“
Bevor sie eine Antwort formulieren konnte, hallte das hohe, melodische Lachen einer Frau nahe am Hörer wider. Es war ein Lachen, das sie aus unzähligen Promi-Nachrichten kannte. Amelia Hayes.
Julians Stimme kehrte zurück, überlagert von einer herablassenden Höflichkeit, die schlimmer war als offene Wut. „Ich muss gehen. Wir feiern Amelias neuen Filmvertrag.“
Die Leitung war tot.
Der Wählton summte in ihrem Ohr, ein unerbittlicher, mechanischer Klang, der sich anfühlte, als würde er sich in ihren Schädel bohren. Chloes Hand fiel schlaff herab, das Telefon glitt ihr aus dem Griff und landete auf den steifen weißen Laken.
Endlich kamen die Tränen. Keine lauten, hysterischen Schluchzer, sondern stille, erschütternde Beben, die ihren ganzen Körper durchschüttelten. Sie rollte sich auf die Seite, dem Fenster zugewandt, und drückte ihr Gesicht in das dünne Kissen, um den Klang zu dämpfen. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass die Frau auf der anderen Seite des Vorhangs sie hören würde.
Der Vorhang auf der anderen Seite des Zimmers wurde zurückgezogen. Besuchszeiten. Eine ausgelassene Familie strömte herein, ihr fröhliches Geplapper erfüllte den kleinen Raum. Chloe zog ihren eigenen Vorhang fester zu, eine dünne Barriere gegen ihre Freude.
Doch die Stimmen drangen durch.
„Schau dir die im nächsten Bett an“, sagte eine Frau mittleren Alters, ihre Stimme ein Bühnenflüstern. „So erbärmlich. Hat entbunden, und ihr Mann ist nicht einmal hier.“
Ein jüngeres Mädchen antwortete: „Ist das nicht Chloe Hayes? Die, die in die Sterling-Familie eingeheiratet hat?“
„Genau die!“, bestätigte die Frau, ihre Stimme sank verschwörerisch. „Die Zeitungen schreiben, dass Julian Sterling sie wegen dieser Schauspielerin, Amelia Hayes, scheiden lassen wird.“
„Ich habe gehört, Amelia ist auch schwanger“, fügte das Mädchen hinzu. „Das wird ein Drama.“
Jedes Wort war ein frischer Schnitt. Mitleid und Bosheit, ein grausamer Cocktail, serviert von Fremden.
Tatsächlich wussten nicht viele Menschen von ihrer Ehe, da Julian sich immer weigerte, sie in sein Leben einzubeziehen. Gelegentlich hatten einige wenige sie durch bestimmte Kanäle gesehen und erfahren, wer sie war. Aber was nützte das? Sie lächelte bitter. Selbst wenn sie eine Schauspielerin wie Amelia würde und jedem bekannt wäre, war es immer noch möglich, dass niemand sie als Julians Frau erkennen würde.
Chloe presste die Hände über die Ohren, aber sie konnte sie nicht ausblenden. Sie kniff die Augen zusammen, die Dunkelheit hinter ihren Lidern eine willkommene Erleichterung.
Ein leises Quietschen von Rollen durchbrach ihr Elend. Eine Krankenschwester schob ein klares, plastisches Babybettchen zu ihrem Bett, dann ein weiteres. Die beiden schlafenden Säuglinge wurden neben sie gelegt.
Chloes Schluchzen blieb ihr im Hals stecken. Sie richtete sich auf, ihre schmerzenden Muskeln protestierten, und blickte ihre Kinder an.
Ihre Gesichter waren so neu, so perfekt. Der Junge hatte ihre Stirn, ein ernstes kleines Stirnrunzeln selbst im Schlaf. Das Mädchen hatte eine zarte Nase, die eine exakte Nachbildung von Julians war.
Sie streckte einen zögernden Finger aus, ihr Nagel war abgebissen und kurz, und strich sanft über die Wange ihrer Tochter. Die Haut war unglaublich weich.
In diesem Mamaent verschob sich etwas in ihr. Ein Fundament aus Stahl begann sich zu bilden, wo zuvor nur Schutt gewesen war. Sie war nicht länger nur eine Ehefrau, die auf einen Mann wartete, der sie niemals lieben würde.
Sie war eine Mutter.
Sie wischte sich die Tränen mit dem Handrücken aus dem Gesicht. Ihr Blick, einst voller Verzweiflung, trug nun eine neue, harte Entschlossenheit. Für sie. Für diese beiden winzigen, hilflosen Wesen musste sie stark sein.
Sie nahm ihr Telefon wieder in die Hand. Nicht, um Julian anzurufen. Sie scrollte durch ihre Kontakte, eine verzweifelte Suche nach einem Freund, einem Rettungsanker. Ihr Finger strich an Geschäftskontakten für die Sterling-Familie vorbei, an Nummern für Caterer und Floristen aus einem Leben, das nicht mehr ihres war.
Das Scrollen stoppte. Der Bildschirm leuchtete mit Namen von Menschen, die nicht ihre Menschen waren. Sie hatte Jahre damit verbracht, in Julians Welt zu passen, und dabei ihre eigene ausgelöscht.
Sie war völlig, absolut allein.