Ein schriller, durchdringender Schrei zerriss die Luft. Dann, sofort darauf, erklang ein weiterer, zarterer, reinerer: der eines Neugeborenen. Die junge Mutter atmete tief ein, ihre Lider flatterten, dann schlossen sie sich schwer, als würden sie von der Erschöpfung hinabgezogen. Sie hatte nicht einmal die Kraft, den winzigen Blick auf das Gesicht zu richten, das soeben ihr Leben erschüttert hatte.
Doch ein zitterndes Lächeln entwich ihr, als sie die Verkündung hörte:
— Es ist ein Junge.
Danach verließen sie ihre Kräfte vollständig.
…
Zur gleichen Zeit glitt eine dunkle Limousine lautlos vor das Krankenhaus. Sie hielt unter einem Baum an, und ein abgelöstes Blatt legte sich auf ihre glänzende Karosserie, bevor es durch ein heruntergelassenes Fenster verschwand.
— Herr, das Kind ist zur Welt gekommen.
Auf der Rückbank saß ein Mann von autoritärer Erscheinung und starrte schweigend nach draußen. Sein kantiges Profil, seine markanten Züge und die Kälte seines Blickes ließen keinen Zweifel an dem Einfluss, den er in dieser Welt ausübte.
Die Wagentür öffnete sich, und man legte ihm das noch eingewickelte Kind in die Arme.
Das herzzerreißende Weinen des Babys ließ seine Stirn sich runzeln. Der Mann, sichtlich unbehaglich, klopfte unbeholfen auf die winzige Schulter – eine zögerliche Geste eines Fremden in dieser Rolle. Doch die Wärme seiner Hände genügte, um das Kind zu beruhigen, dessen Schluchzen augenblicklich verstummte. Große schwarze Augen öffneten sich und betrachteten neugierig diesen imposanten Unbekannten.
Ein unsichtbarer Riss öffnete sich in der eisigen Rüstung des Vaters. Seine dunklen Pupillen wurden für einen Moment weicher. Seine Lippen murmelten beinahe gegen seinen Willen:
— Fahren wir.
Das Auto setzte sich sofort wieder in Bewegung und verschlang die Szene in einer Wolke aus Staub und zerdrückten Blättern.
…
— Fünf Jahre später, im Herzen des Sommers.
Die Bäume ragten wie ausgedörrte Silhouetten empor, ihre trockenen Zweige zerbröselten unter der unerbittlichen Sonne. Der Asphalt, von der Hitze aufgerissen, hätte den kleinsten Wassertropfen in Dampf verwandelt.
Vor dem Eingang einer psychiatrischen Klinik überschritt eine weibliche Gestalt die schweren Gitter, ihre schleppenden Schritte, als würden sie unsichtbare Ketten sprengen. Ihr schwarzes, langes und widerspenstiges Haar bedeckte ihre schmalen Schultern und verstärkte ihr Erscheinungsbild wie ein Schatten, der aus einer anderen Welt zurückgekehrt war.
Isabella Maheswara, die man nun Ella nannte, hatte nach fünf Jahren der Einschließung ihre Freiheit wiedererlangt. Man hielt sie für verwirrt, verloren in ihren eigenen Geistern. Doch unter der brennenden Sonne schloss sie die Augen und ließ sich von der glühenden Berührung des Lichts umhüllen. Sie streckte ihren steifen Körper und genoss diesen Hauch freier Luft, der ihr so lange gefehlt hatte.
Drinnen war die Luft dieselbe, doch ihre Lungen waren dort immer eingeengt, erstickt gewesen. Hier, endlich, atmete sie. Hier wurde sie neu geboren.
— Ella, wie glücklich ich bin, dich draußen zu sehen!
Eine Frau mittleren Alters, mit gezeichnetem, aber lächelndem Gesicht, näherte sich eilig. Einfach gekleidet, hatte Lina seit Stunden auf sie gewartet. Als hingebungsvolle Nanny seit ihrer Kindheit hatte sie nie das Blut des jungen Mädchens geteilt, doch Ella hatte sie immer als die einzige wahre Mutter betrachtet, die sie je gehabt hatte.
Bei diesem vertrauten Anblick erhellte sich Ellas zuvor leerer Blick. Ihre eingefallenen, angespannten Züge konnten die Schönheit, die fortbestand, nicht verbergen. Sie stürzte auf Lina zu und umklammerte ihre Hand mit verzweifelter Inbrunst. Ihre Augen wurden bereits feucht.
— Sag mir, hast du meinen Sohn gefunden?
Fünf Jahre zuvor war Isabella zusammengebrochen, nachdem sie ein Kind zur Welt gebracht hatte, das die Familie als tot geboren bezeichnete. Ohne Ehe, ohne anerkannten Vater, hatte die Schande ihren Namen hinweggefegt. Ihre Angehörigen hatten sie verstoßen, gebrochen, als Verrückte weggesperrt.
— Ella… dieses Kind… — Lina senkte den Blick, unfähig, ihrem Blick standzuhalten.
— Willst du damit sagen, dass er nicht mehr da ist?
Ein raues Lachen stieg in Ellas Kehle auf. Ihre Pupillen verschleierten sich mit Ironie. Man hatte ihr wiederholt gesagt, dass das Neugeborene nicht überlebt habe. Doch sie erinnerte sich an seine Schreie, an diesen Schrei des Lebens, der noch immer in ihren Träumen widerhallte. Wie hätte sie an dem zweifeln können, was sie gehört hatte?
— Sie haben mir meine Freiheit gestohlen, und sie wollen mir auch meinen Sohn entreißen?
Ihre Lippen verzogen sich zu einem bitteren Lächeln, ihre Fäuste ballten sich, bis die Knöchel weiß hervortraten. Ein brennender Groll, lange unterdrückt, strahlte aus ihrem ganzen Wesen.
— Wenn du deinem Vater endlich sagen würdest, wer der Vater des Kindes ist, vielleicht… vielleicht würde er dir die Tür wieder öffnen.
Lina zitterte. Die unschuldige Sanftheit Isabellas war verschwunden, ersetzt durch eine fremde Härte. Diese Frau war nicht mehr das Kind, das sie einst gewiegt hatte.
Fünf Jahre zuvor hatte Ella sich hartnäckig geweigert, die Identität des Vaters preiszugeben. Dieses Geheimnis hatte den Zorn ihres Vaters geschürt, bis es ihren Sturz und ihre Verbannung auslöste.
Heute, angesichts von Linas Vorschlag, brach Ella in ein trockenes Lachen aus.
Sich entschuldigen? Sich rechtfertigen? Wozu? Ihre Familie hatte in ihr nie mehr als einen Fehler gesehen. All dies war nur eine gewaltige Verschwörung, gesponnen von ihrer Stiefmutter und ihrer Halbschwester.
Und von nun an würde sie niemals wieder das Opfer ihrer Grausamkeit sein.